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Geschichten, Menschen, unsere Welt. WELLI - Das junge Online-Magazin der Südtiroler Bauernjugend. Entdecke das, was in uns steckt.

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„Jeder einzelne ist ein Botschafter“

Wege, mit den Konsumenten ins Gespräch zu kommen, gibt es viele. Neben der Kommunikation über Medien ist der persönliche Kontakt zwischen Bauern und Konsumenten wichtig. Das unterstrichen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion auf der Aktionsbühne der Agrialp. 

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Den Südtirolern die Landwirtschaft näherbringen: Dieses Ziel verfolgen der Bauernbund und die bäuerlichen Organisationen mit Initiativen wie „Dein Südtiroler Bauer“, Schule am Bauernhof oder dem Blog „Blauer Schurz“. Notwendig sind derlei Initiativen, weil heute weite Teile der Bevölkerung keinen direkten Bezug mehr zur Landwirtschaft haben, stellt Ulrich Höllrigl, Vizedirektor im Bauernbund, fest: „Wir müssen der nicht-bäuerlichen Bevölkerung erklären, wie Landwirtschaft heutzutage funktioniert und wo Lebensmittel herkommen. Tun wir das nicht, malen sich viele ihr eigenes Bild von der Landwirtschaft, das oft nicht mit der Realität übereinstimmt.“ Die Folge seien falsche Erwartungen und übermäßige Kritik wie etwa beim Pflanzenschutz oder bei der Gülle. Höllrigl betont: „Dem müssen wir ein modernes, realistisches Bild der Landwirt- schaft entgegenstellen.“

„Dein Südtiroler Bauer“: Echte Gesichter und Geschichten

Ein Weg dazu ist die Initiative „Dein Südtiroler Bauer“. Damit will man den Südtirolern erklären, was die Landwirt- schaft alles für sie leistet. Dazu sollten sich Bäuerinnen und Bauern vorne hinstellen und ihre Tätigkeit auf Plakaten, in Zeitungsanzeigen und im Internet erklären. Projektleiter Höllrigl freut sich über den Zuspruch: „Wir zeigen echte Gesichter und echte Geschichten, das kommt bei den Südtirolern gut an.“ Plakatmotive wie jenes von Manuela Wallnöfer aus Prad, die für bäuerliche Lebensmittel wirbt, oder von Matthias Ploner aus Lajen, der für die Landschaftspflege steht, haben eine hohe Bekanntheit unter den Südtirolern erreicht. Aber auch Aktionen mit „Aha-Effekt“ wie den blauen Planen, mit denen Bauern Landschaftsteile verhüllt haben, sorgten 

für Aufmerksamkeit. Im kommenden Jahr sollen verstärkt alle Landwirte einge- bunden werden, kündigt Höllrigl an: „Wir möchten, dass sich jeder Bauer als Botschafter seines Berufes sieht. Denn nur so wird Landwirtschaft am besten gezeigt und verstanden.“

Mitdiskutieren auf dem SBJ-Blog „Blauer Schurz“

Die Erfahrung, dass Bauern selbst am besten über die Landwirtschaft erzählen, macht auch die Südtiroler Bauernjugend, die den Internet-Blog www.blauer-schurz.it betreibt. Der Blog ist eine Art Tagebuch, in dem Bäuerinnen und Bauern über ihre Erfahrungen berichten und das Gespräch mit den Konsumenten suchen. SBJ-Landessekretär Andreas Mair erklärt das Ziel des vor drei Jahren gegründeten Blogs: „Damit wollen wir den Austausch fördern, Unverständnis abbauen und eine Alternative zu gängigen Online-Foren bieten, wo nicht sachlich diskutiert wird.“ Rund hundert Internetnutzer besuchen den Blog täglich. Dabei kommen vor allem Artikel gut an, die Fakten vermitteln oder die umgekehrt einen sehr persönlichen Einblick in die Landwirtschaft gewähren. Wegen der guten Resonanz wünscht sich Mair, dass noch mehr Bäuerinnen und Bauern im Blog „Blauer Schurz“ mitdiskutieren oder eigene Beiträge verfassen. 

In Social Medias sind Persönlichkeiten gefragt

Nicht zuletzt zeigt der SBJ-Blog, dass sich vieles von der Kommunikation in die Online-Welt verlagert hat. Dass Blogs und soziale Medien wie Facebook immer wichtiger in Sachen Meinungsbildung werden, bestätigte auch Blogger Thomas Tribus. Der gebürtige Meraner, der in Wien 

lebt, hat für seinen Blog mehrere Jungbäuerinnen und Jungbauern aus Südtirol porträtiert. Er weiß: Um nicht in der Informationsflut unterzugehen, braucht es interessante Persönlichkeiten, hinter denen sich emotionale Geschichten verbergen. „Und solche Geschichten hat die Südtiroler Landwirtschaft viele zu erzählen.“ Tribus betont auch, dass mehr und mehr junge Leute sich für Lebensmittel interessieren. „Für viele ist das Essen Teil ihres Lifestyles, das ist eine Chance für die Landwirtschaft.“ 

Mit Passanten ins Gespräch kommen

Für mehr persönlichen Austausch zwischen Bauern und Konsumenten plädierte Obst- bauer und Apfelbotschafter Klaus Perathoner. Er ist überzeugt: „Der direkte Kontakt mit den Menschen ist am wichtigsten. Denn im persönlichen Ge- spräch ist ein Bauer am glaubwürdigsten und kann seine Tätigkeit am besten erklären.“ Seiner Erfahrung nach beschäftigen sich die Leute gern mit der Landwirtschaft. „Natürlich muss nicht jeder Bauer gleich Apfel- oder Milchbotschafter sein, aber wir müssen lernen, mehr mit den Konsumenten zu reden und über unsere Arbeit zu erzählen.“ Dabei reichen kleine alltägliche Gespräche, beispielsweise mit einem Passanten. Als Tipp gibt Perathoner den Bauern auf den Weg, den ersten Schritt zu wagen und über das zu reden, was man den ganzen Tag über macht. Perathoner rief die Bauern auf, öfters den ersten Schritt zu wagen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. 

Fazit der Diskussionsrunde: Wichtig ist nicht nur die Kommunikationsarbeit von Bauernbund und bäuerlichen Organisation: Jeder einzelne Bauer kann dazu beitragen, dass Landwirtschaft besser verstanden wird. Dafür reichen einfache Gespräche im Alltag.  


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