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Es ist Spargelzeit in Terlan

Der Jungbauer Christian Runer und seine Familie sind Teil der Geburtsstunde des Terlaner Spargel. Im Interview erzählt er über den Spargelanbau bei sich Zuhause und die Vermarktung des Spargels in der aktuellen Situation.

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Der 30-jährige Jungbauer ist am Meitinger Hof in Terlan aufgewachsen und hat die Fachschule Laimburg mit Spezialisierung auf Weinbau und Kellerwirtschaft besucht. Neben der Arbeit am elterlichen Betrieb, auf dem Spargeln, Äpfel und Wein angebaut werden, arbeitet Christian in der Genossenschaft „Magarete Spargel“ im Bereich Produktion und Qualitätskontrolle.

Seit wann baut ihr auf eurem Hof Spargel an?

1996 wurden die ersten Spargelpflanzen am Hof gesetzt. Zeitgleich haben fünf weitere Bauern in Terlan Spargel angebaut und gemeinsam wurde die Arbeitsgemeinschaft „Spargelbau Terlan“ gegründet. Damit wurde der Grundstein zur professionellen Bewirtschaftung des Spargels im Gebiet Terlan/Andrian gelegt.
Meine Großtanten haben mir aber erzählt, dass es bereits viel früher schon ein kleines Spargelfeld auf dem Hof gab.

Wie groß ist der Arbeitsaufwand unterm Jahr bis zur Ernte im April?

Der größte Arbeitsaufwand ist während der Ernte, die ca. 50 Tage andauert. Bei hohen Temperaturen wachsen die Stangen bis zu zehn Zentimeter pro Tag. Wenn die Spitzen gegen die Folien drücken, werden diese verformt und zum Teil zerquetscht. Um die bestmögliche Qualität zu erzeugen, muss der Erntevorgang deshalb täglich wiederholt werden.
Nach den 50 Erntetagen wird der Damm aus Erde glatt gedrückt. Die neu ausgetriebenen Spargelstangen wachsen dann zu einer 1,5 bis 2 Meter hohen staudenähnlichen Pflanze. Im Sommer müssen die Spargelpflanzen von Unkraut befreit werden.
Im Herbst werden die eingetrockneten Stauden nieder gemulcht, bevor der neue Erddamm für nächstes Jahr errichtet wird. Gleichzeitig werden die schwarz-weißen Folien ausgelegt. Mithilfe dieser Folien wird Qualität und Quantität gesteuert, indem man die Temperatur im Damm

beeinflusst. ausgelegt. Mithilfe dieser Folien wird Qualität und Quantität gesteuert, indem man die Temperatur im Damm beeinflusst. Liegt die Folie mit schwarzer Seite nach oben, wird die Temperatur erhöht, dreht man die Folie auf die weiße Seite, wird sie gesenkt.
Anschließend wird über dem Damm ein Folientunnel errichtet: die Sonnenenergie wird besser aufgefangen, der Boden erwärmt und dadurch wird die Ernte beschleunigt.

Wie wird der Spargel in Terlan vermarktet?

Die Vermarktung erfolgt ausschließlich regional über die Genossenschaft „Margarete Spargel“, die zugleich Teil der Kellerei Terlan ist. Die Mitglieder der Genossenschaft erzeugen auf einer Fläche von neun Hektar jährlich rund 65.000 Kilo Spargeln. Ungefähr 30 Prozent der Menge werden direkt im Detailgeschäft verkauft. Ein weiterer großer Anteil geht direkt an die Gastronomie. Der Rest teilt sich in Großhandel und Einzelhandel auf, dazu gehören auch viele kleine Geschäfte und Marktstände in ganz Südtirol.

Was ändert sich bei der Ernte und Vermarktung in Zeiten des Coronavirus?

Trotz der tragischen Umstände, die uns allen schon seit Wochen großes Unbehagen bereiten, sind wir glücklicherweise in der Lage unsere Ernte einbringen zu dürfen. Die Nachfrage an frischem Gemüse ist erstaunlich hoch. Die Südtiroler legen auch in dieser schwierigen Zeit viel Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel. Durch die gute Zusammenarbeit mit Geschäften, die Lieferservice anbieten, kann unser Produkt in die Südtiroler Haushalte gebracht werden. Das größte Problem sind die fehlenden geschulten Arbeitskräfte aus den östlichen Teilen Europas. Um zurzeit die gleiche Leistung bei gleicher Qualität zu erzielen, kommt es vor, dass man statt einer Arbeitskraft zwei braucht, da die Mitarbeiter bei der Ernte ein „gutes Auge“ brauchen, welches man sich durch Erfahrung aneignet.

Welche Schwierigkeiten gibt es im Spargelanbau in Südtirol?

Bei einer Sonderkultur, die auf so kleiner Fläche angebaut wird, ist es nicht leicht eine Möglichkeit zu finden, sich ständig weiterzubilden, um genügend fachliche Beratung in Sachen Anbau zu bekommen, wie wir es in Südtirol vom Obst- und Weinbau her gewohnt sind. Deshalb besichtigen wir Betriebe, besuchen Messen, holen Berater für Spargelanbau aus dem Ausland, um Flurbegehungen abzuhalten und sind im ständigen Austausch mit anderen Spargelbauern.

Was gefällt dir besonders beim Spargelanbau?

Ich sehe einen großen Vorteil darin, dass man einen Teil der Ernte schon im Frühjahr einbringen kann und sich das Ende der Spargelzeit gut mit dem Beginn der Arbeiten im Weinbau kombinieren lässt. Besonders toll finde ich, dass Wein und Spargel so gut zusammen harmonieren. In der Kellerei Terlan wird für die Spargelzeit eine eigene Linie Sauvignon Spargelwein abgefüllt.

Was würdest du am elterlichen Betrieb verändern?

Ich lege Wert darauf, den Spargelanbau Schritt für Schritt zu verbessern. Ich halte die Qualität im Auge und versuche diese ständig zu optimieren. Im Moment arbeite ich daran, eine Möglichkeit zu finden, die geernteten Spargelstangen bereits auf dem Feld zu kühlen, um sie so frisch wie möglich zu halten.

Was ist für dich Erfolg?

Erfolg bedeutet für mich, wenn man das erreicht, woran man glaubt, und merkt, dass jene die man schätzt hinter einem stehen.

Welches ist dein Lieblingszitat?

Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.


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