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JunglandwirtInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol fordern politisches Handeln für ein zukunftsfähiges Wolfmanagement in Europa

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Die Weidetierhaltung hat in Europa eine jahrhundertelange Tradition.  Die Haltung der Tiere in verschiedenen Landschaftsformen wie Almen, Weiden, Deichen oder auch Wäldern prägt das Bild der Regionen. Jeder Wandel in der landwirtschaftlichen Nutzung verändert auch das Erscheinungsbild der Landschaften, so dass der Fortbestand der Kulturlandschaften und da-mit auch die Attraktivität der ländlichen Räume direkt von der Landwirtschaft abhängen. Zu-dem schafft die Weidetierhaltung eine erhöhte Biodiversität und ist damit elementarer Be-standteil des Naturschutzes. 

Aufgrund der engen Besiedlung in Teilen des Europäischen Gebiets führt die Ausbreitung der Wölfe zwangsläufig zu einem Zusammentreffen von Wolf und Mensch bzw. Nutztier.  Diese Entwicklung stellt die LandwirtInnen in Europa vor enorme Herausforderungen. Aus Angst vor Wolfsangriffen lassen die LandwirtInnen ihre Tiere immer seltener auf Almen, Weiden oder Deichen übersommern. Dies ist dem Schaden der Tiere geschuldet, der auch für die Landwir-tInnen einen wirtschaftlichen Schaden bedeutet. Zum anderen ist die psychische Belastung der LandwirtInnen enorm hoch, die eigene Herde nach einem Wolfsangriff zu finden. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass überlebende Tiere nach einem Wolfsangriff ver-stört sind und die Herde nicht mehr händelbar ist. Infolgedessen werden insbesondere die Almflächen aufgelassen, was gravierende Auswirkungen auf den Tourismus und in einigen Gebieten sogar die gesamte Berglandwirtschaft hat. Des Weiteren wird durch fehlende Be-weidung der Deiche durch Schafe der Küstenschutz in erheblichen Maße gefährdet.

Im Rahmen des vergangenen 4-Länder-Junglandwirtetreffens vom 20.-21. September 2018 in Berlin haben die VertreterInnen der Landjugenden bzw. Jungbauernschaften aus Deutsch-land, Österreich, der Schweiz und Südtirol ihre Bedenken in Bezug auf die Wolfsansiedelung in Europa geäußert und diesbezüglich Forderungen erarbeitet.

Der Schutzstatus des Wolfes (canis lupus) muss in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Berner Konvention gesenkt oder mit weiteren Ausnahmeregelungen für be-stimmte Populationen erweitert werden.

Die JunglandwirtInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol setzen sich für ein wissenschaftlich fundiertes und sinnvolles Management der Wolfsbestände in Europa ein. Durch die Senkung des Schutzstatus des Wolfs ermöglicht man den Mitgliedstaaten der Eu-ropäischen Union ein angepasstes Wolfsmanagement auf die gegebenen Herausforderun-gen. Im Dialog mit Jägerschaft und ExpertInnen muss entschieden werden, ob und welche Obergrenze regionsspezifisch sinnvoll ist. Dabei muss die Umsetzbarkeit, insbesondere für die JägerInnen, zwingend gegeben sein.

Die rechtssichere Entnahme von auffälligen Wölfen muss vereinfacht werden und be-darf hierfür neue unbürokratische Verfahren.

Die Regulierung des Wolfsbestandes darf nicht wahllos erfolgen, sondern muss die sozialen Strukturen des Rudels beachten und sich auch zu Nutzen machen. Junge Tiere lernen von den Leittieren. Sobald ältere Tiere des Rudels Weidezäune als Grenze ihres Reviers respek-tieren, geben sie dies an die jungen Tiere weiter. Andersrum müssen Wölfe, die verhaltens-auffällig sind, entnommen werden. Dies ist der Fall, wenn sich Wölfe ohne Scheu Wohngebie-ten nähern oder verstanden haben, wie man einen Zaun überwindet und somit regelmäßigen Schaden an Weidetieren anrichten können. Für diese grundsätzliche Entnahme müssen un-bürokratische Verfahren entwickelt werden,

welche eine Rechtssicherheit für die JägerInnen gewährleisten.

Herdenschutzmaßnahmen müssen vollständig gefördert werden und dürfen nicht per se als Voraussetzung für Schadenausgleichansprüche gelten.

Für tierhaltende LandwirtInnen ist der Tierbestand die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs. Allein aus diesem Grund treffen LandwirtInnen präventive Herdenschutzmaßnahmen, dort wo sie möglich sind, um einen Wolfsangriff zu verhindern. Die Kosten dieser Vorsorgemaßnah-men sollten vollständig gefördert werden. Doch in einigen Fällen können präventive Herden-schutzmaßnahmen aufgrund von regionalen Gegebenheiten oder Betriebsstrukturen nicht durchgeführt werden. So können Weidezäune beispielweise in steilen Almen oder Deichen aufgrund der Beschaffenheit und Weitläufigkeit nicht errichtet werden. Des Weiteren muss man in Bergregionen auch den Tourismus und im Speziellen den Wintersport berücksichtigen, der eine Installation von Zäunen ausschließt. Für LandwirtInnen mit mehreren Herden oder auf Wanderschaft ist die Installation eines Weidezauns ebenfalls keine Option. In solchen Fäl-len können Herdenschutzhunde eine Lösung sein, wobei nicht außer Acht gelassen werden darf, dass diese Tiere mit Haushunden nicht zu vergleichen sind. Herdenschutzhunde sind zum einen sehr kostenintensiv in Anschaffung und Ausbildung und zum anderen können sie bei mangelnder oder fehlender Ausbildung im Welpenalter für Menschen und andere Tiere gefährlich werden.  Aufgrund der vorherigen genannten Probleme sprechen sich die Jung-landwirtInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol dafür aus, in Regionen, wo keine Herdenschutzmaßnahmen möglich sind, sogenannte Weidetierschutzgebiete einzu-richten. In diesen Schutzgebieten sollen Wölfe vereinfacht entnommen werden dürfen, um die zukünftige Weidetierhaltung sicherzustellen.

LandwirtInnen dürfen die Kosten der Wolfsrückkehr nicht alleine tragen und müssen nach einem Wolfangriff auf die Herde angemessen entschädigt werden.

LandwirtInnen dürfen für den Wunsch der Gesellschaft und Politik, den Wolf in Europa wieder zu etablieren, nicht das Nachsehen haben. Aus diesem Grund sollten die Verluste eines Wolfsangriffs angemessen ausgeglichen werden. Doch der Verlust eines Tieres ist mit einem monetären Wert schwer zu fassen, da viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. So muss bei der Bemessung des Schadens nicht nur der Tierwert, sondern auch der Zuchtwert eines Tieres in Betracht gezogen werden. Zudem entfällt das Tier über mehrere Jahre und das Risiko der Integration neuer bzw. fremder Tiere in die Herde kann nicht bemessen wer-den. Die JunglandwirtInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol empfeh-len sich bei der Bemessung der Schadenzahlungen am Marktpreis des Tieres orientieren.

Schadenszahlungen müssen auf alle durch den Wolfsangriff verletzten und getöteten sowie fehlenden Tiere der Herde ausgeweitet werden.

Die Schadenszahlungen greifen momentan ausschließlich für die Tiere, die beim Angriff getö-tet oder verletzt wurden. Nicht jedoch für diese, die von der Herde weggelaufen oder in Folge des Wolfsangriffs anderweitig, beispielsweise durch einen Absturz in Bergregionen oder Fehl-geburten, gestorben sind. Diese Regelung ist für die LandwirtInnen nicht hinreichend und muss umgehend angepasst werden. Zudem müssen die Schadenszahlungen national einheit-lich gestaltet werden und dürfen nicht an die Herdenschutzmaßnahmen gekoppelt sein.

LandwirtInnen müssen durch die Beweislast-Umkehr entlastet werden.

Derzeit muss nach einem Angriff auf die Herde eindeutig nachgewiesen werden, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat. Dies ist für die LandwirtInnen nicht tragbar, denn die Gutachter sind durch die steigenden Übergriffe überlastet, wodurch es zu Verzögerungen der Schaden-ausgleichzahlungen kommt. Wir als JunglandwirtInnen fordern, dass bei Übergriffen auf die Herde zukünftig die Beweislast-Umkehr gilt. Das bedeutet, es muss eindeutig und zeitnah nachgewiesen werden, dass kein Wolf für den Schaden verantwortlich ist. Auf diese Weise stellt man sicher, dass LandwirtInnen nach einem Vorfall keine zusätzliche psychische Belas-tung zugemutet wird.

Wolfshybriden müssen vollständig aus den Rudeln entnommen werden.

Verpaarungen von Wolf und Hund müssen weiterhin streng unterbunden und Wolfshybriden schnellst möglichst aus den Rudeln entnommen werden. Außerdem werden sie in den Scha-denszahlungen an die LandwirtInnen im Falle eines Angriffs auf die Herde nicht berücksich-tigt. Dies kann zu einer großen finanziellen Belastung werden und ist somit nicht akzeptabel für die LandwirtInnen. 

Forderung rechtliche Verantwortung und Beratung.

Derzeit sind verschiedene juristische Fragen auf nationaler Ebene noch in der Diskussion. Grundsätzlich müssen LandwirtInnen von straf-, polizeilich-, zivilrechtlicher Verantwortung befreit sein, wenn die Herde aufgrund eines Wolfsangriffs einen Schaden verursacht. In die-sem Fall muss der Versicherungsschutz gegeben sein. Zudem braucht es ein flächende-ckendes und international vernetztes Beratungsnetz für LandwirtInnen und Bevölkerung. LandwirtInnen müssen sich objektiv und für ihren Betrieb maßgeschneidert über mögliche Maßnahmen informieren können. Die Bevölkerung soll durch Öffentlichkeitsarbeit über die Herausforderungen bei der Rückkehr des Wolfes und korrekte Verhaltensweisen beim Zu-sammentreffen mit einem Wolf aufgeklärt werden. Dieses Beratungsnetz muss kostenfrei nutzbar und staatlich organisiert sein.

Die JunglandwirtInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol fordern ein sofortiges Handeln von der Politik, um ein zukunftsfähiges Wolfsmanagement in Europa zu gewährleisten. Durch die Senkung des Schutzstatus des Wolfs kann auch weiterhin eine si-chere Weidetierhaltung gewährleistet werden. Es gilt vorausschauend Maßnahmen zu ergrei-fen, um den (Jung-)LandwirtInnen Planungs- und Rechtssicherheit zu geben.

In Vertretung der JunglandwirtInnen:

Kathrin Muus
Bundesvorsitzende, Bund der Deutschen Landjugend e.V.

Sebastian Schaller
Bundesvorsitzender, Bund der Deutschen Landjugend e.V.

Franz Xaver Broidl
Bundesobmann, Österreichische Jungbauernschaft

Christian Schönbächler
Präsident, Junglandwirtekommission jeunes agriculteurs

Wilhelm Haller
Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend

Angelika Springeth
Landesleiterin der Südtiroler Bauernjugend

 


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