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Fit für die Zukunft 

Das Thema Zukunft steht bei der Fachtagung der Südtiroler Bauernjugend „Fit für die Zukunft – ist die Südtiroler Landwirtschaft für den Markt der Zukunft gerüstet?“ am Samstag, 10. November von 8:30 -12:30 Uhr in der Kellerei Meran Burggräfler im Mittelpunkt.

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Die Teilnehmer erwarten vier interessante Impulsreferate aus den verschiedenen landwirtschaftlichen Sektoren und einen Erfahrungsbericht. Anschließend folgt eine Diskussionsrunde, bei der die Referenten dem Publikum Rede und Antwort stehen. 

Dr. Christian Dürnberger, vom Messerli Forschungsinstitut Vetmeduni Vienna, wagt mit seinem Referat „Landwirtschaft im Spannungsfeld. Was erwartet der Bürger? Was zahlt der Verbraucher?“ einen Blick in die Zukunft und beleuchtet zukünftige Trends in Südtirols Landwirtschaft. Einen kleinen Vorgeschmack gibt er uns im Interview.

Wie hat sich das Konsumverhalten in den letzten Jahren verändert?

Dr. Christian Dürnberger: Das Konsumverhalten hat sich weiter ausdifferenziert, sprich: Wir haben heute gesellschaftliche Gruppen, die gerne und viel Fleisch essen; wir sehen aber auch Gruppen, die bewusst auf alle tierischen Produkte verzichten. Es gibt Menschen, die beim Einkauf vor allem auf den Preis achten und sich sagen „Hauptsache günstig!“. Es gibt auch welche, die bereit sind, tief in die Geldtasche zu greifen, um bestimmte Nahrungsmittel zu kaufen. „Den“ Konsumenten gibt es also nicht mehr. 

Inwieweit wir hierbei einen „Wertewandel“ erleben, muss kritisch diskutiert werden.

Ja, viele Menschen geben gegenwärtig an, dass ihnen Umweltschutz, Klimaschutz, Tierwohl und die „bäuerliche“ Landwirtschaft extrem wichtig sind. Spätestens beim Zahlen an der Kasse werden diese Wünsche aber oft entlarvt. Man könnte polemisch sagen: Dem durchschnittlichen Bürger sind all diese Dinge ein entscheidendes Anliegen – als durchschnittlicher Verbraucher aber ist er nicht bereit, auch tatsächlich mehr dafür zu bezahlen.

Welche Produkte wünscht sich der Kunde von morgen?

Dr. Christian Dürnberger:  Das ist die spannende Frage! Präzise beantworten kann sie niemand. Persönlich gehe ich davon aus, dass die oben angesprochene Differenzierung weiter gehen wird, dass es beispielsweise Kunden geben wird, die sagen „Ja, ich esse Fleisch, aber nur von bestimmten Tieren, von anderen nicht, weil ich es moralisch in Ordnung finde, Geflügel zu essen, aber nicht Schwein.“ Das ist nur ein Beispiel. Spannend wird auch sein, wie sich der gesamte Bio-Markt verändern wird: „Bio“ wird oder wurde ja auch mit kleinstrukturierter, bäuerlicher Landwirtschaft verbunden. Wenn nun aber mehr und mehr Bio-Produkte von riesigen Betrieben, teilweise aus Asien, importiert werden, verändert dies etwas in der Wahrnehmung der Konsumenten. Und Studien zeigen dies auch: Viele

 Konsumenten, die vor 10 oder 20 Jahren bewusst auf „Bio“ geachtet haben, gehen nun stärker auf „Regionalität“.

Welchen Herausforderungen müssen sich Südtirols Landwirte stellen? 

Dr. Christian Dürnberger: Südtirol hat den Vorteil, dass die Landwirtschaft hier weitgehend so aussieht, wie es sich viele Verbraucher wünschen. Eine entscheidende Frage ist: Versteht der Konsument, dass er bewusst Produkte aus solchen Regionen einkaufen muss, wenn er diese Art der Landwirtschaft wünscht? Auf politischer Ebene wird unter anderem entscheidend sein, wie es mit den Nebenerwerbslandwirten weitergeht. Auch sie tragen – vielleicht sogar im besonderen Maße – zum positiven Bild der Marke „Landwirtschaft in Südtirol“ bei. Hauen sie den Hut drauf, oder machen sie weiter? Alles in allem scheint mir die Region Südtirol großartige Chancen zu haben, weil hier die Verbindung von „Genuss von regionalen Lebensmitteln“ und Wertvorstellungen wie „Umweltschutz“, „bäuerliche Landwirtschaft“ und „Tierwohl“ ineinandergreifen können. Wichtig aber ist dabei, dass man derartige Ziele wie zum Beispiel „Tierwohl“ Ernst nimmt, also nicht nur fragt: Wie kann ich das marketingtechnisch so gut wie möglich verkaufen? Sondern auch: Was kann ich tun, damit es meinen Tieren tatsächlich gut geht?

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