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Für ein gutes Miteinander

Das Zusammenleben mehrerer Generationen ist nicht immer einfach – besonders auf einem Bauernhof nicht. Bei einem Vortrag am Samstag, dem 27. November, in Nals erhielten bäuerliche Familienmitglieder Tipps, wie ein gutes Miteinander gelingt.

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Gerade während der Lockdowns traten mehr Menschen als gewöhnlich mit ihren Sorgen an die bäuerlichen Organisationen heran. Oft fühlten sie sich in ihrer Familie einsam oder es gab Konflikte zwischen den Generationen, die am Hof zusammenlebten. Die Landespräsidentin der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund berichtete in ihren Grußworten von ihren Erfahrungen: „Viele Senioren hätten während des letzten Lockdowns Hilfe und Unterstützung gebraucht, aber sie haben sich nicht getraut etwas zu sagen. So sind sie vereinsamt. Erst als wir im Seniorenboten ein Interview mit Nicole Irsara von der Lebensberatung für die bäuerliche Familie veröffentlichten, haben sich viele Senioren gemeldet und Hilfe angenommen.“ Die Lebensberatung für die bäuerliche Familie war in solchen Fällen gleich zur Stelle und hatte für alle Anliegen ein offenes Ohr. Die Organisation gibt es seit 2009 – angefangen hat sie mit zwölf freiwilligen Frauen. Heute bieten 25 Frauen und ein Mann ehrenamtlich Beratungen an.
Um Konfliktsituationen vorzubeugen, haben die Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund, die Südtiroler Bäuerinnenorganisation, die Südtiroler Bauernjungend und der Südtiroler Bauernbund nun gemeinsam einen Vortrag organisiert. Dieser war im letzten Herbst bereits einmal verschoben worden, doch konnte dann am Samstag, dem 27. November, in Nals nachgeholt werden.
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler zeigte sich in seinen Grußworten zuversichtlich: „Generationenkonflikte gibt es seit jeher. Die Generationen haben unterschiedliche Meinungen und Herangehensweisen. Aber durch Gespräche können diese Verschiedenheiten überwunden und ein gemeinsamer Weg gefunden werden.“ Auch für Landesbäuerin Antonia Egger war klar: „Besonders innerhalb der Familie ist ein gutes Auskommen wichtig. Dass ein Partner von außerhalb des Hofes kommt, erschwert die Situation zusätzlich – es treffen nämlich

zwei Welten aufeinander. Jede Familie hat andere Gewohnheiten und Rituale. Es braucht einige Zeit, bis man das begreift und akzeptiert.“ Auch die Landesvorsitzenden der Südtiroler Bauernjugend, Angelika Springeth und Raffael Peer, unterstrichen dass ein respektvolles Zusammenleben am Hof die wichtigste Grundlage für ein erfolgreiches Wirtschaften sei.

Herausforderungen sind überall dieselben
Die beiden Referenten Susanne Fischer und Erhard Reichsthaler sind seit sieben Jahren als Sozial- und Eheberater tätig und in ganz Österreich unterwegs. Und überall wo sie hinkommen, sind die Herausforderungen die gleichen: Partnerschaft, Schwiegereltern, Kinder. Aber auch das Thema Hofübergabe begegnet den beiden immer wieder.
Mit viel Witz und Leichtigkeit präsentierten sie den rund 50 Zuschauerinnen und Zuschauern das sonst so ernste und bedrückende Thema der Generationenkonflikte. Die große Herausforderung auf den Höfen sei, dass dort zwei Systeme zusammentreffen, die eigentlich nicht vermischt werden dürften: das System „Arbeit“ und das System „Familie“. Beim System „Arbeit“ gehe es darum, etwas zu produzieren oder eine Dienstleistung zu erbringen. Bei der Familie ginge es um die „Aufzucht“ – das habe laut Susanne Fischer einmal eine Teilnehmerin eines Seminars gesagt und damit das Großziehen der Kinder gemeint. Beide Systeme funktionieren unterschiedlich und das ist die große Herausforderung.
Erhard Reichsthaler erklärte: „Die Bäuerinnen und Bauern in Österreich sind sehr außenorientiert und möchten nicht, dass familiäre Konflikte nach außen getragen werden. So kommt es, dass jede Familie denkt, sie sei die einzige mit einem Konflikt. Jedoch ergeht es den anderen genauso.“ Deshalb sei eine Konfliktkultur so wichtig – denn durch reden kann man viele Probleme lösen.

Ein weiterer Ratschlag, den Fischer und Reichsthaler an alle Paare – unabhängig ob bäuerlich oder nicht – erteilten, war, dass man niemals über seine Schwiegerfamilie schimpfen dürfe. Jede Familie sei anders und man dürfe als Außenstehender nicht darüber urteilen. Aus Liebe zum Partner müsse man dessen Familie respektieren. Ein weiterer Ratschlag war, tolerant zu sein. Damit das gelinge, brauche es in einem Mehrfamilienhaus klar getrennte Privatbereiche für jede Familie. „Abstand macht Toleranz erst möglich.“, erklärte Fischer. Für gemeinsam genutzte Bereiche brauche es klare Regeln, z. B. wer diese reinigt und wie oft. Und manchmal müsse man einfach auch beide Augen zudrücken.
Ein Mehrgenerationenhaus sei ideal zum Leben. Die Vorteile erkläre schon ein altes Afrikanisches Sprichwort: „Um ein Kind großzuziehen, brauchst du ein ganzes Dorf.“ Wenn mehrere Generationen vor Ort sind, dann können die Kinder von jedem etwas anderes lernen und es ist eine große Bereicherung für ihre Entwicklung.
Die Hofübergabe selbst müsse klar geregelt und offen besprochen werden. „Wir sehen immer wieder, dass dieses Thema zu wenig Achtung erhält.“, so die Referenten. Beide Parteien, also die Hofübergeber und die Hofübernehmer müssen sich im Klaren sein, was sie fordern, bzw. zu welchen Bedingungen sie den Hof übernehmen. Wichtig sei auch den Altbäuerinnen und Altbauern für ihre weitere Mithilfe am Hof dankend gegenüber zu treten und ihnen auch eine Gegenleistung zu geben. Reichsthaler erläuterte: „Man sollte mit den Seniorbauern umgehen, wie mit einem Nachbarn: Um Hilfe bitten, eine Gegenleistung erbringen und sich bedanken.“
Mit diesen kleinen und großen Gesten könne das Leben auf einem Bauernhof mit mehreren Generationen gelingen: Wertschätzung, Respekt und Toleranz seien die Grundlage für ein gutes Miteinander.

 


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