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„Weg für den Neustart finden“

Seit drei Wochen stehen sie an der Spitze der Südtiroler Bauernjugend (SBJ): Der Landesobmann Raffael Peer und die Landesleiterin Angelika Springeth sprechen im Interview über ihre Wahl und die Pläne für die kommenden zwei Jahre.

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Als Obst- und Weinbauer bist du sehr vertraut mit der Landwirtschaft. Siehst du in der Landwirtschaft generell neue Herausforderungen auf die jungen Landwirtinnen und Landwirte zukommen? Glaubst du die Jugend ist dafür gerüstet?
Raffael: „Wie die Südtiroler Landwirtschaft in 10 Jahren aussieht, können wir maßgeblich selbst mitgestalten. Den Klimawandel sehe ich als Herausforderung, aber auch als Chance zugleich. Die extremen Wetterkapriolen (Hagel, Frost, Dürre usw.) werden uns stark fordern. Deshalb ist es wichtig, bei Entscheidungen und Investitionen bereits heute auf morgen zu denken, damit wir gerüstet sind (z.B. wassersparende Bewässerung). Andererseits haben wir die Möglichkeit, vielleicht Dinge anzubauen und Produkte zu veredeln, welche wir heute noch importieren müssen. Noch nie waren die Möglichkeiten der Ausbildung so groß und vielfältig wie zurzeit. In der Schulbildung genießen die Jugendlichen die Ergebnisse von Innovation und Forschung. Wir werden in Zukunft noch mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Es ist wichtig, dass möglichst viele unserer kleinen Betriebe auch in Zukunft erhalten und weitergeführt werden. Denn, je weniger landwirtschaftliche Betriebe es gibt, umso weniger Verständnis wird die Gesellschaft für unsere Probleme und Anliegen haben.
Wir dürfen uns aber auch als Agrargesellschaft durch innere Uneinigkeiten nicht auseinandertreiben lassen. Deshalb gilt es, den Zusammenhalt zwischen Berg- und Talbauern, Voll- und Nebenerwerbsbauern und Bauern mit bio- oder integrierter Anbauweise zu stärken. Geben wir den Unfriedenstiftern, welche wir leider auch in unseren Reihen haben, keine Möglichkeit mit „Fake News“ und populistischen Aussagen bei der restlichen Bevölkerung zu punkten. Zeigen und leben wir es mehr als je zuvor und schämen wir uns nicht zu sagen, „Ich bin stolz Bäuerin oder Bauer zu sein“.

Wie stellst du dir als erfahrene Funktionärin das Zusammenwachsen und -arbeiten mit dem doch recht frischen Landesvorstand vor? Kanntest du die neuen Landesführungsmitglieder schon vorher?
Angelika:
„Die neue Landesführung ist mit voller Motivation in die kommenden zwei Jahre gestartet. Neuwahlen bringen neue Funktionäre und somit einen frischen Wind in den Landesausschuss. Ein Wechsel bedeutet neue Ideen und Herausforderungen, an denen gemeinsam gearbeitet wird. Wir alle verfolgen gemeinsame Ziele und arbeiten an diesen, um sie im Sinne des Leitbildes umzusetzen. Ein Ausschuss sollte bunt gemischt sein, wo neue Meinungen jederzeit ihren Platz finden. Auch dieses Jahr war es sehr spannend zu sehen, welche Kandidaten von den Bezirken für die Landesführung nominiert wurden. So wie auch bei den vergangenen Wahlen auf Bezirks- oder Landesebene war es auch bei dieser Wahl der Fall, dass ich noch nicht alle Landesführungskandidaten kannte. Meiner Meinung nach ist genau dies das Spannende. Aus Erfahrung kann ich berichten, dass das Zusammenwachsen immer einige Zeit dauert, jedoch bin ich mir sicher, dass wir eine großartige Landesführung bilden werden. Ich sehe die zukünftige Zusammenarbeit nur positiv und freue mich auf neue Erfahrungen,

neue Ideen und neue Projekte, welche mit vollem Schwung umgesetzt werden.“ 

Wie nimmst du deine Erfahrungen als Bezirksobmann nun in die Landesspitze mit? Was reizt dich an der neuen Aufgabe und was willst du nun als erstes machen?
Raffael:
„Die letzte Amtsperiode als Bezirksobmann hilft mir gerade beim Start ungemein. Durch diese Tätigkeit bekam ich einen kleinen Einblick in die Arbeit der Landesleitung. Auch die Unterstützung, welche ich sowohl von meinem Vorgänger Wilhelm Haller als auch von der derzeitigen Landesleiterin Angelika Springeth erhalte, helfen mir sehr die neuen Aufgaben zu meistern. Die Bauernjugend hat und wird auch in Zukunft immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben einnehmen. Durch die gute Vernetzung der SBJ in allen Landesteilen kann man sich mit Gleichgesinnten treffen und austauschen und viele neue Gesichter kennenlernen. Ich will mich mit den Funktionären auf allen Ebenen für eine gute Zukunft in Südtirol einsetzen und einen kleinen Teil dazu beitragen, dass auch in Zukunft die Landwirtschaft in Südtirol mit ihrer großen Vielfalt eine wichtige Säule der Gesellschaft bleibt. Die ersten Aufgaben werden sicherlich mit dem Erwachen des Ehrenamtes aus dem Dornröschenschlaf, welchen wir gerade aufgrund der Pandemie erleben, verbunden sein. Wir als Verbände müssen gemeinsam mit der Politik einen Weg finden, damit die ehrenamtlichen Vereine wieder einigermaßen ihrer Aktivität nachgehen können. Ich befürchte, wenn wir noch länger in diesem „Standby-Modus“ hängen, werden wir viele Mitarbeiter verlieren. Wenn das Vereinsleben in Südtirol wegbricht, dann sind diese Schäden durch keinen „Recovery Fund“ zu ersetzen.“

Dein Vorgänger hat dir eine sehr gut aufgestellte Organisation hinterlassen und einige Ideen auch verwirklicht. Kannst du uns einen konkreten Schwerpunkt nennen, den du in deiner Amtszeit umsetzen möchtest?
Raffael:
„Ein sehr großes Anliegen meinerseits ist die Zusammenarbeit mit den Ortsgruppen und den Mitgliedern. Nur wenn vor Ort gute Arbeit geleistet wird, bleiben wir als Verein für neue Mitglieder attraktiv. Wir werden als Landesverband in Zukunft die Ortsgruppen mehr einbinden müssen, damit sie unsere Aktionen und Veranstaltungen mittragen. Sollte uns das nicht gelingen, werden in Zukunft weniger Jugendliche bereit sein, ihre Freizeit für die SBJ zu opfern. Die SBJ ist mittlerweile sehr vielfältig, vom Landwirt, Schüler, Handwerker bis zum Hotelier sind alle dabei. Das ist ein Zeichen, dass wir gut gearbeitet haben und in den letzten Jahren auch für die nichtbäuerliche Jugend als Ansprechpartner da waren. Wir sind nicht
umsonst die größte Jugendorganisation und möchten auch weiterhin der erste Ansprechpartner der Jugend bleiben.“

Du kennst die Bauernjugend in- und auswendig und weißt, was sie alles leistet. Was erwartest du dir von den kommenden beiden Jahren?
Angelika:
„Die Südtiroler Bauernjugend ist vielfältig. Ohne den unermüdlichen Einsatz der Ortsgruppen würde die Arbeit in der Landesführung nicht funktionieren. Eine gute Verbindung zwischen den Ortsgruppen und den Bezirken und der stätige Austausch

zwischen Landesleitung und Landesführung ist in einem solchen großen Verein wie der SBJ sehr wertvoll. Auch in der neuen Amtsperiode werden jährliche Veranstaltungen, wie die Landesweinkost oder das Handmähen weitergeführt. Vor allem freue ich mich aber auf frische Ideen und neue Aktionen. Es ist auch schon ein neues Projekt in Planung, worauf ich schon mit Spannung hin fiebere. Besonders am Herzen liegt mir aber ein baldiger Neustart. Nach den Einschränkungen des vergangenen Jahres hoffe ich, dass die neugewählten Funktionäre ihren Ideen freien Lauf lassen können und Herzensprojekte verwirklichen dürfen. Die Kreativität neue Akzente zu setzen, soll auch diese Amtsperiode ein ständiger Begleiter der Landesführung sein. Ich hoffe, dass die neuen Mitglieder die Freude am Vereinsleben und die spannende Arbeit als Ehrenamtlicher beibehalten.“

Die Bauernjugend hat als größte Jugendorganisation des Landes durchaus auch politisches Gewicht. Ein Dauerthema ist die Junglandwirteförderung. Was liegt dir dort am Herzen?
Raffael:
„Die Junglandwirteförderung ist bei der Bauernjugend immer ein wichtiges Thema gewesen und wird es auch in Zukunft bleiben. Wir als SBJ haben unsere Standpunkte und werden diese mit aller Kraft und besten Argumenten vorbringen. Ein wesentlicher Punkt unserer Forderungen ist die Anerkennung und höhere Bewertung der mehrjährigen landwirtschaftlichen Schulausbildung. Dies würde auch zur Aufwertung der landwirtschaftlichen Ausbildung beitragen und könnte die sinkenden Schülerzahlen in den Fachschulen wieder einbremsen. Uns ist klar, dass nicht jeder Vorschlag aufgenommen werden kann, aber wir fordern die Entscheidungsträger auf, unseren Punkten mehr Gewicht und Beachtung zu geben.“

Die Bauernjugend hat mit der Aktion „So(g) frisch“ zuletzt einen besonderen Schwerpunkt auf die heimischen Produkte gelegt. Was ist aus deiner Sicht das Besondere daran?
Raffael:
„Aktionen wie „So(g) frisch“ oder die Kochbox-Aktion von „Dein Südtiroler Bauer“ zeigen auf, wie vielfältig die Südtiroler Landwirtschaft ist. Aus den Rohprodukten der vielen Obstgärten, Weinberge und Wiesen werden hochwertige Produkte hergestellt, diese zeugen von den hohen Standards. Der Fokus sollte aber nicht nur auf die Produktion gelegt werden, sondern auch die soziale Komponente sollte nicht außer Acht gelassen werden. Die Landwirtschaft bietet vielen einen gesicherten Arbeitsplatz und eine gerechte Entlohnung. Des Weiteren haben solche Aktionen auch einen grünen Hintergrund. Der Begriff Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist ja mittlerweile millionenfach eingesetzt worden und kommt auch bei dieser Aktion zum Tragen. Die kurzen Transportwege und das zum Teil wegfallende Verpackungs- material (Plastikfolien usw.) tragen ihrerseits dazu bei. Ich finde solche kleinen Aktionen wertvoller, als die Verteilung von schönen, teuren Broschüren, welche schlussendlich als Müll entsorgt werden. Durch die Aktion „So(g) frisch“ wurde die Bevölkerung unmittelbar angesprochen und der direkte Kontakt hergestellt.“

 


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