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Wiedersehen nach Corona: 50. Mitgliederversammlung der SBJ

Am Sonntag, dem 23. August fand im Waltheraus in Bozen die Mitgliederversammlung der Südtiroler Bauernjugend statt: eine Veranstaltung, die das Ehrenamt hochleben lässt.

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Eigentlich findet die jährliche Mitgliederversammlung der Südtiroler Bauernjugend (SBJ) immer Anfang des Jahres/im März statt. Aufgrund der Corona-Pandemie musste sie heuer wie alle Veranstaltungen abgesagt werden. Nun hat die Bauernjugend das Treffen nachgeholt – natürlich unter strengen Sicherheitsauflagen für die Anwesenden. Nur mit Voranmeldung, Fiebermessen und genügend Sicherheitsabstand durften die Mitglieder an der Versammlung im Waltherhaus in Bozen teilnehmen.

Die Mitgliederversammlung stand heuer unter dem Motto „Auf unser Wohl“. Damit sei das Wohlergehen des Bauernstandes und des Vereines gemeint, erklärt Bauernjungend-Obmann Willhelm Haller bei der Begrüßung. Landesleiterin Angelika Springeth verweist in diesem Zusammenhang auf ein besonderes Jubiläum, das zu feiern gilt: „Das ist die 50. Mitgliederversammlung der Südtiroler Bauernjugend. Es macht uns stolz, dass wir mittlerweile 150 Ortsgruppen mit über 9000 Mitgliedern zählen dürfen.“

Raiffeisen-Jungbergbauernpreis vergeben

Neben den klassischen Tagesordnungspunkten einer solchen Veranstaltung – wie der Genehmigung des Kassaberichtes, dem Jahresrückblick und dem -ausblick – wird bei der Mitgliederversammlung der SBJ jedes Jahr der Raiffeisen-Jungbergbauernpreis vergeben. Der Preis wird vom Raiffeisenverband vergeben und ist heuer zum ersten Mal mit 10.000 Euro dotiert. Bisher waren es 8000 Euro. Raiffeisenverbands-Obmann Herbert von Leon erläutert: „Dieser Preis wird nicht aufgrund der Bedürftigkeit einer Familie vergeben, sondern aufgrund ihres Einsatzes bei der Bewirtschaftung des Hofes.“ Dieses Jahr geht der Preis an Fabian Egger und seine Familie vom Mesnerhof in Laurein. (siehe eigener Bericht)

Neben dem Einsatz und der Leidenschaft, die für die Landwirtschaft notwendig sind, wurden auch aktuelle Herausforderungen thematisiert. Kritische Themen waren neben Bär und Wolf besonders der mangelnde Respekt vor dem Privatbesitz der Landwirte. So wurde auf die Gefahren für und von Einheimischen und Touristen hingewiesen: Egal ob unachtsame Radfahrer, die mit einem Traktor zusammenstoßen könnten oder Spaziergänger deren Hunde Kot in den Weiden hinterlassen und somit die Gesundheit der Tiere aufs Spiel setzen – mit etwas Hausverstand und gegenseitigem Respekt könnten alle die Natur genießen und nutzen.

Vier Ehrenabzeichen verliehen

Ebenfalls ein zentraler Punkt der jährlichen Versammlung sind die Ehrungen der langjährigen Funktionärinnen und Funktionäre. Heuer durften sich gleich vier

Mitglieder über das Ehrenabzeichen in Gold freuen: Daniela Abraham aus Montan, Petra Dissertori aus Tramin, Michael Kaufmann aus Naturns und Ursula Aichner aus Pfalzen. Alle vier haben das Ehrenamt über viele Jahre ausgeübt und sich für die Südtiroler Bauernjugend stark gemacht.

Auch die Ehrengäste Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann lobten den Einsatz der Jugendlichen für die Gemeinschaft.

Nach der Vollversammlung konnten sich die Bauernjugend-Mitglieder bei einem Aperitif im Freien austauschen. Für viele war es eine der ersten größeren Veranstaltungen, die sie seit dem Lockdown besuchten. Trotz Sicherheitsabstand war die Freude über das Wiedersehen groß.

Vorbilder für die Landwirtschaft

Der Raiffeisen-Jungbergbauernpreis wird jährlich an eine junge Bergbauernfamilie in Südtirol verliehen, die ihren Hof vorbildlich bewirtschaftet. Dieses Jahr geht er an Fabian Egger und seine Familie vom Mesnerhof in Laurein.

Nicht die Bedürftigkeit einer Familie, sondern der Einsatz für die Landwirtschaft ist ausschlaggebend für die Verleihung des Raiffeisen-Jungbergbauernpreises. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Familie Egger vom Mesnerhof in Laurein. Der Preis wird vom Raiffeisenverband bereitgestellt und ist heuer zum ersten Mal auf 10.000 Euro dotiert – bisher waren es 8000 Euro.

Viehwirtschaft auf 1000 Metern Meereshöhe

Fabian Egger und Daniela Kuen bewirtschaften zusammen den Mesnerhof. Der Betrieb liegt in Laurein auf 1000 Metern Meereshöhe, circa 1,5 Kilometer vom Ortskern entfernt. Die 101 Erschwernispunkte zeugen davon, wie hart die Arbeit ist. Zum Hof gehören acht Hektar Wiesen, 400 Quadratmeter Acker, 27 Hektar Wald und ein halber Hektar Weide. 13 Kühe und sechs Kälber der Rasse Fleckvieh genießen aktuell ihr Leben auf dem Hof. Eine große Erleichterung stellt die neu eingebaute Absauganlage im Stall dar. Außerdem besitzt die Familie verschiede Kleintiere wie Ziegen, Schweine, Hühner, Hasen, Katzen und einen Hund.

Tourismus als Nebenerwerb

Mit neuen Ideen setzen Egger und seine Familie alles daran, dem Mesnerhof eine Zukunft zu geben. Im Wohnhaus werden drei Ferienwohnung erbaut, um den Tourismus als Nebenerwerb zu nutzen. Fruchtaufstriche, Säfte, Butter und Eier werden den Hausgästen direkt ab Hof angeboten. Um auch das Grünland aufzuwerten hat Egger zwei Wiesenwege planiert und einen Teil der Wiesen mit einer Bewässerungsanlage

ausgestattet. Trotz der vielen Arbeit am Hof muss Egger auswärts als Maurer arbeiten.

Zwei Betriebe zusammengeschlossen

2009, mit gerade mal 19 Jahren, übernimmt Egger zuerst den einen, dann den anderen Hof seiner Onkel. Er schließt die beiden Höfe zu einem Betrieb zusammen.

Eigentlich ist er gelernter Maurergeselle. Im Anschluss an diese erste Ausbildung beginnt Egger eine landwirtschaftliche Schule. Diese bricht er jedoch ab, um den beiden Onkeln bei der Arbeit auf den Höfen unter die Arme zu greifen.

Inzwischen ist Egger 30 Jahre alt, genauso wie seine Frau Daniela Kuen. Die beiden sind seit 2012 ein Paar. 2017 haben sie sich dazu entschieden, ihren Lebensweg auch weiterhin gemeinsam zu gestalten und haben geheiratet. Im selben Jahr konnte das Paar auch in das neu erbaute Wohnhaus einziehen. Ein Jahr später erblickt Söhnchen Jonas das Licht der Welt. Seit letztem Sommer zählt auch seine kleine Schwester Nathalie zur Familie. Daniela Kuen besuchte nach der Grund- und Mittelschule die Oberschule „Lewit“ in Meran, welche sie erfolgreich abschloss. Anschließend arbeitete sie in einer Arztpraxis in Meran, bis sie auf den Hof kam. Sie kümmert sich neben den Kindern besonders um die Gäste ¬– eine Aufgabe, die ihr Spaß macht.

Egger und Kuen engagieren sich beide ehrenamtlich im Dorf. Fabian Egger ist Mitglied bei der Südtiroler Bauernjungend und zudem im Bauernbund-Ortsauschuss tätig. Daniela bringt sich bei den Bäuerinnen aktiv ins Dorfleben ein. Fabian ist auch Schätzer des Viehversicherungsvereins, Ausschussmitglied im Bodenverbesserungskonsortium sowie der ehemalige Obmann-Stellvertreter der Sennerei Rumo.

Schwierigen Bedingungen trotzen

„Egger und seine Familie stehen für Mut, Fleiß und Sauberkeit“, erklärt Petra Unterholzner, die Bezirksleiterin des Bezirks Meran, bei der Laudatio. „Sie sind ein leuchtendes Beispiel für viele junge bäuerliche Familien, die tagtäglich der Landwirtschaft eine Zukunft geben.“

Es ist beeindruckend, unter welch schwierigen Bedingungen und doch mit wieviel Freude und Zuversicht junge Menschen ihren Hof bewirtschaften. Familie Egger soll ein Vorbild sein und eine Möglichkeit aufzeigen, wie Bergbauernhöfe zukunftsorientiert und wirtschaftlich attraktiv bewirtschaftet werden können.

Die Verleihung des Raiffeisen-Bergbauernpreises ist Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für viele junge Bergbauernfamilien in Südtirol – denn sie halten das Berggebiet und somit Südtirol lebendig.

 


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